Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Habsburger Gedenkjahr 2008, Teil II

| Keine Kommentare

Im Rahmen des Gedenkjahres der Habsburger fand heute Abend die zweite Veranstaltung statt. Dabei war viel Geschichtliches alleine über die Burgen im Aargau zu erfahren. Bei der grossen Anzahl von etwa 80 bis 90 Burgen, alleine der Habsburger auf dem heutigen Gebiet des Aargaus konnte nicht jede ausführlich präsentiert werden. Den beiden Referenten gelang es aber an Hand von auserwählten Burgen eine gute Übersicht und Orientierung zu geben.

Kurz angesprochen wurde eingangs das Schloss Altenburg, hier in Brugg. Teile davon stehen heute noch und sind von der Jugendherberge belegt. Das Schloss diente den ersten, vom Elsass eingezogenen Habsburgern, lediglich vorĂĽberhegend als Wohnsitz.

Bald, und irgendwie in Folge von Zwist und familieninternen Querelen rund um Muri, entstanden 1020 die ersten Gebäude auf der Habsburg. Im Wesentlichen ein dreigeschossiger Wohnturm, mit hochliegenden Fensterlöchern. Mauerdicke etwa 1.90 Meter. Die damalige Bauweise war stark angelehnt an Vorbilder aus dem französischen Hochadel. Ab 1100 galt die Habsburg als eine der modernsten Burgen. Bis 1250 wurde sie stark erweitert, mit Häusern für die Bediensteten, Rossstallungen, einem Turm, zusätzlicher Ringmauer, aufgeschüttetem Hügel am Fusse des Turms, Burggraben und sogar einem Ziehbrunnen. Ab 1250 ging die Bautätigkeit stark zurück. Ausser einer Wasserzisterne (sammelte das Dachwasser) einem weiteren kleineren Turm, Erweiterung der Ringmauer und einfachere Häuser kam nichts mehr dazu. Die heute noch erhaltenen Teile stammen aus dieser dritten Bauphase.

Etwa zu gleicher Zeit entstand die Burg Iberg am Bözberg bei Riniken. Sie brannte jedoch bald vollständig ab. Der Wiederaufbau wurde aber schon bald unterbrochen und sistiert. Die Mauerreste sind heute eigentlich nur noch im Winterhalbjahr auszumachen, wenn das Grün des Waldes und der Wiesen den Blick noch freigibt.

Ein weiterer Wohnturm muss sich auf dem heutigen Gelände des Effingerhofes, mitten in der Stadt Brugg befunden haben. Er bestand aus einem fünfgeschossigen Gebäude.

Ein Habsburger wurde mit 14 Jahren volljährig und musste das Regieren erlernen. Dazu steckte man ihn in der Regel in den Vorlanden, eben nicht in Ă–sterreich, sondern meist in der Schweiz, in ein Schloss. „Lehrmeister“, meist befreundete Adelige, oftmals aus dem Ausland wurden mit Gebäuden beschenkt, dafĂĽr mussten sie dann aber dem JĂĽngling das Regierungsgeschäft beibringen. So entstand im 14. Jahrhundert die Lenzburg. Mindestens drei solche Schenkungen fĂĽr Lenzburg sind bekannt.

Weitere Schlösser stehen zum Beispiel in Bremgarten oder Laufenburg. Auch die Ruinen Freudenau (Untersiggenthal) und Besserstein (Villigen) stammen aus dieser Zeit, wenn auch teils aus anderen Gründen. Das Schloss Wildegg war zum Beispiel das Zuhause der besseren Bediensteten der Habsburg, Das Schloss Brunegg hatte Übrigens ursprünglich auch einen Turm. Wenigstens bis zu jenem verhängnisvollen Blitzschlag. Weil der Turm in der Regel der trockenste Ort in einem Schloss ist, war dort das Pulver für die Kanonen eingelagert. Der Blitzschlag und die nachfolgende Explosion, zerrissen selbst diese Mauerdicke, so dass der Turm nicht mehr repariert werden konnte und schlussendlich abgerissen werden musste.

An der Burgruine im Schenkenbergertal lässt sich zum Beispiel architektonisch sehr schön nachvollziehen, wie während Jahren auf- und manchmal auch abgebaut wurde, wie zusätzliche Mauern entstanden und wie die Verstärkung gegen Angriffe immer weiter ausgebaut wurde. Es war die Zeit, als die Wurfmaschine erfunden wurde. Wurfmaschinen, die in Einzelfällen 200 Kg schwere Steinbrocken über 500 Meter weit katapultieren konnten. Dies auch einer der Gründe, weshalb die Mauern des Turmes auf der vermuteten Angriffsseite teilweise bis drei Meter dick gemacht wurden.

Weitere Schlösser und Ruinen in Villnachern (Ruine Lichtenau), Schloss Böttstein in Böttstein, von welchem Teile davon heute noch bewohnt sind, Burgruine Alt-Homberg bei Wittnau, Burg und Festung Aarburg, Schloss Hallwyl.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass jede Burganlage aus einer Burg und einer Unterburg, meist fĂĽr die Bediensteten, besteht. Die Habsburger bauten aber nicht einen bestimmten Typ. In der Regel stehen die meisten Burgen in einer Waldrodung auf einem HĂĽgel. Alle Burgen waren nicht zu klein, kaum zu gross und von der Ausstattung her eher im oberen Durchschnitt. Die grosse Anzahl der Burgen (80 – 90 Burgen), lässt darauf schliessen, dass die Habsburger ihre Bauern gut entlöhnt oder beschenkt haben. Wenn es dann einem Bauer auch noch gelang, seinen Nachwuchs mit der Kirche zu verbinden, so war ihm eine Karriere in den Adel fast sicher. Als Folge der grossen Pest im 14. Jahrhundert, damit einhergehend dem Zusammenbruch des Bauernstandes und der Explosion der Löhne, verarmte der Adelsstand und konnte sich unter anderem keine Bediensteten mehr leisten. Im Einzelfall fĂĽhrte dies sogar dazu, dass eine ganze Schlossanlage fĂĽr ein Huhn verpachtet wurde.

Einige der Burgen standen an strategisch wichtigen Punkten, wie zum Beispiel der schwarze Turm in Brugg (Bewachung der Aare), Laufenburg (Rhein) und Baden (das heutige Landvogteischloss an der Limmat). Um manche dieser Türme und Burgen entstanden später dann Städte. Dass die Ruine Freudenau, mitten im Wasserschloss und an der Stelle wo mit der Überquerung der Aare auch gerade die Reuss und die Limmat hätten überquert werden können, keine Stadt entstand, dürfte damals schon einen finanziellen Grund gehabt haben. Man kassierte lieber den Brückenzoll in Brugg (Aare), dann den Zoll für die Föhre an der Reuss (Gebenstorf) und später in Baden nochmals Brückenzoll (Limmat).

Auch heute haben wir wieder einen sehr interessanten und lehrreichen Abend verbracht. Und wenn ich mir mal vorgenommen habe, alle Burgen und Ruinen im Aargau zu besuchen, so habe ich noch einiges vor mir. Die erwähnten 80 – 90 Burgen sind nur diejenigen der Habsburger. Da gäbe es dann noch diejenigen zum Beispiel der Kyburger.

Print Friendly, PDF & Email

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.