Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Google Latitude gegen Webtracker

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Regelmässige Leser dieses Weblogs erinnern sich vielleicht noch, dass ich in den letzten Jahren einen Webtracker auf meinen Fahrten dabei hatte. Dieser sendete alle zehn Minuten meine aktuelle Position, zusammen mit der aktuellen Fahrtgeschwindigkeit und der aktuellen Fahrtrichtung auf mein Weblog, wo ich dann diese Positionsmeldungen zu einer Kette von einzelnen Punkten zusammenhängte.

Dies funktionierte bei Fahrten im Flachland oder auch in offenen Tälern recht gut. Etwas Mühe hatte der Webtracker in den Bergen, schmalen Tälern, auf Passstrassen. Da konnte es schon mal passieren, dass stundenlang keine Positionsmeldung mehr durchkam. Gründe dazu gab es verschiedene, nicht zuletzt die teils schlechten Verbindungen der Telecomanbieter, dann aber auch der starre Rhythmus von zehn Minuten des Webtrackers. Entweder er konnte in diesen wenigen Sekunden um die zehnte Minute herum eine Verbindung aufbauen, oder eben nicht.

Dieses Jahr habe ich nun versucht meine Positionsmeldungen mit Latitude von Google in das Weblog zu bringen. Ich habe dazu ein paar Tage meiner kĂĽrzlichen Fahrt in Zusammenhang mit den Dolomitenferien analysiert.

  • 20. Juni 2010:
    • Charakter der Strecke: Ăśbernachtung in Bozen, Fahrt durch das Brennertal hinauf bis Ponte Gardena, dann das ganze Gardenatal ĂĽber das Grödnerjoch (Passo Gardena), weiter das Tal hinunter nach La Villa.
    • Verhalten von Latitude: Während der Ăśbernachtung in Bozen wird meine Position ungefähr alle neun Minuten aktualisiert. Mit dem Beginn der Fahrt durch Bozen, enden auch die regelmässigen Aktualisierungen. Mit dem Erreichen des Brennertales hört die Aktualisierung der Position ganz auf. Beim Eintritt ins Val Gardena wird eine einzelne Position gesendet. Das Tal ist dort etwas breiter. Der angezeigte Unsicherheitsfaktor ist aber riesengross, deckt jedenfalls mehrere Quadratkilometer ab. Während der anschliessenden Fahrt durch das Tal und ĂĽber den Pass (von 10:19 bis 15:41) werden nur gerade fĂĽnf Positionen gesendet. Diese sind immer am richtigen Ort platziert, allerdings drei davon mit einer recht grossen Unsicherheit.
  • 21. Juni 2010:
    • Charakter der Strecke: Fahrt auf der Sella-Runde. Vier Pässe, dazwischen teils schmale, teils aber auch recht offene Täler, praktisch keine Ortschaften.
    • Verhalten von Latitude: Während der ganzen Fahrt werden nur gerade vier Positionsmeldungen ĂĽbermittelt. Ăśberraschenderweise alle ausserhalb von Dörfern, aber alle mit einer sehr grossen Unsicherheit. Drei der Positionen sind aber dennoch genau platziert.
  • 24. Juni 2010:
    • Charakter der Strecke: Schmales Tal hinunter, hinauf zu einem Castello, wieder ins Tal hinunter, um einen HĂĽgel und zum Mittagessen, weit hinten in einem abgeschiedenen Tal. Anschliessend wieder das schmale Tal zurĂĽck ins Hotel.
    • Verhalten von Latitude: Im schmalen Tal wird erst auf der Heimfahrt am Abend eine Position angezeigt. Die beiden Positionen auf dem HĂĽgel des Castellos stimmen zwar, sind aber mit einer Unsicherheit von mehreren Quadratkilometern behaftet. Die Fahrt zum Mittagessen im abgeschiedenen Tal geht vollständig verloren. Keine Positionsmeldungen. (SMS senden war zwar möglich, doch E-Mail-abrufen war nicht wirklich möglich.)
  • 25. Juni 2010:
    • Charakter der Strecke: ĂĽber das Grödnerjoch hinunter ins Val Gardena bis fast zum Brennertal, dann im parallel verlaufenden Tal zum WĂĽrzjoch hinauf und durch das schmale Tal wieder ins Hotel zurĂĽck.
    • Verhalten von Latitude: Eigenartigerweise werden bei dieser Fahrt durch das Val Gardena, im Unterschied zum 20.06.10 laufend Positionen versendet. Das Wetter ist an diesem Tag allerdings ganz klar, kein Nebel, kein Regen, nur Sonne. Sogar am Rande des Brennertales werden zwei Markierungen gesetzt. Beim Aufstieg zum WĂĽrzjoch, endet dann die Euphorie. Zwei Markierungen, weit daneben und mit riesengrosser Unsicherheit gesetzt. Beim Aufstieg durch das schmale Tal zum Hotel werden diesmal zwei Markierungen gesetzt, beide stimmen und beide sind mit nur geringer Unsicherheit vermerkt.
  • 28. / 29. Juni 2010:
    • Charakter der Strecke: An einer Bergflanke zum Timmelsjoch, das Ă–tztal hinunter ins Inntal, das Inntal hinauf ĂĽber den Arlberg und in die Schweiz.
    • Verhalten von Latitude: Während der Auffahrt zum Timmelsjoch, dauert mehrere Stunden, werden lediglich zwei Positionen gesendet. Beide weit daneben und beide mit sehr grossem Unsicherheitsfaktor. Erstaunlicherweise stimmen praktisch alle gesetzten Markierungen in Ă–sterreich. Kaum einer ist mit grosser Unsicherheit gekennzeichnet. Erstaunlich fĂĽr mich deshalb, weil ich ausgerechnet an diesem Abend in Imst, im Bereich von A1 (die Ă–sterreichische Telekom-Gesellschaft) weder ein Posting noch Bilder ins Weblog setzen konnte.

Vergleich Latitude versus Webtracker:

Natürlich müsste man ja beide parallel mitlaufen lassen um ein hieb- und stichfestes Argumentarium erstellen zu können. Aus der Erfahrung mit dem Webtracker versuche ich mal folgende Gegenüberstellung.

was verglichenGoogles LatitudeWebtracker
Treffergenauigkeit im FlachlandIst die Treffergenauigkeit sehr hoch. Einzelne Ausreisser sind dennoch möglichIst die Treffergenauigkeit sehr hoch. Ausreisser in Zusammenhang mit Tunnels möglich.
Wahrscheinlichkeit der GenauigkeitWird von Fall zu Fall neu berechnet, kann aber in kurzer Zeit sehr stark variieren.Macht dazu keine Angaben
Treffergenauigkeit im GebirgeBei günstigen Verhältnissen, breite Täler, Ortschaften vorhanden, ist die Treffergenauigkeit sehr hoch.Oftmals wird dann während Stunden keine Position mehr gesendet
Anzahl / Rhythmus der Positions-AnzeigenGoogle legt da selbst irgend einen Rhythmus fest. In der Regel dürfte der um neun Minuten herumliegen. Positionsmeldungen kommen aber auch ausserhalb dieses Rhythmus zu Stande. Vermutlich bei günstigen oder genügend starken / zuverlässigen Verbindungen mit Telekomgesellschaften.Ist variabel einstellbar. Der Rhythmus muss aber per SMS an den Webtracker verändert werden.
Nachvollzug / „Verfolgungsmöglichkeit“Da immer nur eine einzige Position angezeigt wird, ist eine Nachverfolgung fast nicht möglich. Zudem ist der Zuschauer nie ganz sicher, ob er nicht gerade jetzt eine Trefferungenauigkeit erwischt hat.sofern Positionen ĂĽbermittelt werden, könnte eine „Verfolgung“ durchaus möglich sein.
KostenDie Übermittlung der Daten ist in meinem Fall im Flat-Abonnement der Swisscom inbegriffen. Ob dies auch für meine Auslandfahrten reicht? Das zeigt dann die nächste Swisscom-AbrechnungSeit mindestens einem Jahr waren nur noch Meldungen per SMS möglich.

Schlussfolgerung:

  • Der Webtracker war bezĂĽglich der Positionen genauer
  • Latitude sendet länger, kann dazu noch die Wahrscheinlichkeit der Genauigkeit visualisieren.
  • Störend bei Latitude sind die gelegentlichen Fehlplatzierungen, welche nicht einmal mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf Ungenauigkeit hindeuten.

Und zum Schluss die Frage: würde ich meinen eigenen Webtracker, mein eigenes Handy auf Grund der gesendeten Positionen im freien Gelände wieder finden?

  • Im Flachland: höchstwahrscheinlich ja
  • Im Gebirge: Das Handy (Latitude) eher, als den Webtracker, beide aber nur unter gĂĽnstigen Bedingungen (volle Akku, Sendegebiete der Telekom’s)

Latitude ist vorläufig und für die Verwendung auf dem Fahrrad, immer noch ein nettes Gadget. Möglich, dass es in der Stadt, bei der Suche zu Fuss nach Freunden und Bekannten (Werbung von Google) weniger fehleranfällig arbeitet.

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Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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