Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

das Dach meiner Ferien: Timmelsjoch

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Im Hotel der letzten Nacht, wäre eigentlich Morgenessen erst ab 08:00 Uhr möglich gewesen. Da aber eine grössere Gesellschaft bereits um acht wegfahren wollte, wurde das Morgenessen auf 07:00 verlängert. Davon machte auch ich gerne Gebrauch. Denn einerseits musste ich damit rechnen schon sehr bald an der Sonnenseite des Berges in die Höhe zu kurbeln, zudem würde die Strasse wegen des talwärtsfahrenden Transalps (ein Radrennen quer über die Alpen) eine Stunde lang gesperrt.

So kam es denn, dass ich bereits kurz nach acht Uhr auf der Strasse in Richtung Timmelsjoch kurbelte. Vorerst noch im Schatten. Doch heute fand ich meinen Rhythmus irgendwie nicht. Vielleicht fühlte ich mich wegen der Zwangspause unter Druck, wollte ich doch vorher möglichst weit oben sein. Doch dieses Zwangsgefühl war ausgerechnet heute der denkbar schlechteste Partner. Von der Bettkante her ging es aufwärts. Aufwärts bis auf eine Höhe von 2509 Meter über Meer. Insgesamt über 1800 Meter Höhendifferenz. Das Profil wäre eigentlich bis auf zwei Ausnahmen nicht so besonders schlimm gewesen. Es bot auch immer wieder flachere Stücke dazwischen. Doch wie gesagt, ich fand meine sonst übliche Ruhe nicht.

Irgendwann nach 10:00 Uhr kamen dann die ersten Rennfahrer das Tal herunter. Mit Polizeibegleitung und Tour-Auto, wie man das zum Beispiel von der TdS kennt, allerdings ohne den ganzen Werbetross. Ich hielt es für ratsam, jetzt auf dem nächstgelegenen Ausstellplatz die angekündigte Pause einzuschalten. Verpflegen, trinken, fotografieren, warten. Warten auf den Schlusswagen der angekündigten Stunde.

Ich konnte weiterfahren. Bei nächster Gelegenheit noch Wasser getankt. Die Strasse wechselte immer wieder ab, zwischen Gruppen von Spitzkehren und langen, kaum enden wollenden geraden Stücken. Ab KM 21 bis 23, wusste ich vom Profilstudium her, war die einzige über 10%-Rampe. Der Kopf wollte nicht mehr, die Beine auch nicht, der Anhänger war so schwer wie noch nie. Marschpassage, vermutlich hatte ich meine Kräfte heute vollständig falsch eingeteilt, war vielleicht auch übermütig vom gestrigen guten Tag.

Doch wie sagte einer meiner beiden Guides während den Dolomiten-Fahrten: die letzten 200 Höhenmeter spĂĽrst du nicht mehr. Ich sehnte mich nach diesen Zeitpunkt. Und er kam tatsächlich. Die letzte Spitzkehre, das letzte lange, schlecht beleuchtete Tunnel, es lief plötzlich wie fast von alleine. Die Strasse stieg immer noch, noch ein paar weitere kurze Tunnel, noch ein Kilometer bis an die Ă–sterreichische Grenze, nochmals ein paar Tunnels und Kurven, dann die Passtafel „Timmelsjoch, Passo Rombo“. Geschafft.

Ich genoss kurz die Aussicht. Ab jetzt ging es nur noch bergab, ausser den bekannten Stellen zur Mautstelle hinauf und kurz vor Sölden. Ich liess es laufen, so gut das mit dem Anhänger eben geht. Ein leichter kühlender Wind kam von unten.

Schon nach Obergurgel wurde der Wind langsam zur Qual. Böig, warm, austrocknend stellte er sich in den Weg. Mehrmals musste ich anhalten um Wasser zu trinken. Bei böigem Wind und Anhänger, schaffe ich das nicht während der Fahrt. Der Anhänger ist zu windanfällig.

Nach langen Kilometern gegen den Wind gelangte ich dann ins Inntal. Dort profitierte ich jetzt von einem zĂĽgigen RĂĽckenwind. Gerade als ich es begann zu geniessen, gestossen zu werden, war Schluss, wie abgestellt.

Ich war mal gerade wieder mit meinem GPS beschäftigt. Es passte mir nicht, jetzt auf der Tiroler Bundesstrasse bergaufwärts fahren zu müssen. Da sollte doch irgendwo noch ein Radweg sein. In diesem Moment schabte irgendwas, wie Krallen, oder Nägel direkt vor mir auf der Strasse. Ich weiss nicht wer mehr erschrak, das Reh oder ich. Zwei drei Sprünge, kratzende Hufe auf der Strasse und weg war es, mitten im dichten Strassenverkehr, einfach durch eine Lücke in der Autokolonne gehuscht und dabei fast den Radfahrer übersehen.

Kurz vor Imst bemĂĽhte ich aber doch nochmals mein GPS fĂĽr die Suche eines Hotels: „Suche Unterkunft“, „Folge Strasse“, „Go“. Ich habe dann allerdings doch das Hotel auf der anderen Seite der Strasse genommen. Bauchentscheid, hat wahrscheinlich nichts zu bedeuten. 🙂

Nachtrag nach dem Nachtessen: a propos Bauchentscheid: die Portionen hätten für einen Lastwagenchauffeur längstens gereicht, geschweige denn für einen hungrigen Velofahrer ohne Mittagessen.

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Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Roubaix mit Anhaenger

99.6KM

2099 HM
06:41 H

Nachmittag
schoenster_Sonnenschein

Grad

einzelne_Wolken

Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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