Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Zinnowitz – Kölpinsee – Zinnowitz

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Den heutigen Tag begannen wir bei wiederum schönstem Sonnenschein mit einer kurzen Fahrt auf der Usedomer Bäder Bahn in Richtung Süden bis nach dem Seebad Kölpinsee. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung und bummelten etwas kreuz und quer durch unseren Ferienort Zinnowitz.

Eine knappe Viertelstunde trug uns der Zug nach Süden der Küste entlang, bevor wir ihn wieder verliessen. Nach einem Abstecher auf den nahen Damm zur Ostsee hin, beginnen wir mit der Umwanderung des Kölpinsees. Auch dies ein Süsswasser-See. Alle paar Jahrzehnte wird er allerdings von Sturmfluten aus der Ostsee überrollt. So das letzte Mal zum Beispiel 1995/96 und davor 1912/13 und 1905/06. Dies obwohl die Dämme laufend erhöht und verstärkt werden. Der See und die Gegend darum herum stehen heute unter einem Flächen-Naturschutz. Offensichtlich dient der See vielen Schwänen als Brutstätte.

Zum Mittagessen waren wir wieder in Zinnowitz zurĂĽck. Kaffee und Kuchen wird hier auch in vielen Restaurants angeboten. Aber wenn am Tisch daneben gebratene oder frittierte Welse und Heringe angeboten werden, schmeckt mir auch der Kuchen nicht mehr. (Ein bisschen Esskultur sollte es schon noch sein und dann passt Kuchen und fischeliges Ă–l eben nicht zusammen.) Gleichzeitig verdunkelte sich auch das Wetter. So machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Lokal. Wir wurden dann im CafĂ© Marimar, Untertitel „fĂĽr Menschen mit besonderem Geschmack“ fĂĽndig und bestellten unsere eigene Mischung von BlechkuchenstĂĽckchen und Kaffee.

Geschichtliches zu Zinnowitz: Zinnowitz muss es schon länger gegeben haben, als es erstmals 1309 als Tsyz (aus dem slawischen fĂĽr Korn) erwähnt wurde. Ăśber die Jahrhunderte machte es seinen normalen Usedom-ĂĽblichen und ärmlichen und kriegszerrĂĽtteten Weg. Ein erster wirtschaftlicher Anlauf um 1750 unter preussischer Herrschaft verlief aber im Leeren. Erst 100 Jahre später, 1851, stellten die Zinnowitzer, angeregt durch die Erfahrungen in den benachbarten Badeorten Heringsdorf und SwinemĂĽnde (Polen), den Antrag, ebenfalls ein Badekurort werden zu dĂĽrfen. Badekarren wurden angeschafft und ein Hotel namens Wigwam erstellt. Sogar eine Backsteinkirche wurde erbaut. Aber so richtig wollte das Geschäft mit den Badenden nicht anlaufen. Nobelster Besuch war der letzte Kronprinz der Preussen der hier einen Kuraufenthalt verbrachte. Ihm zu Ehren wurde das Strandhotel in „Preussenhof“ umbenannt. Das selbe Gebäude wurde dann während des 2. Weltkrieges von der IG Bergbau ĂĽbernommen, umgebaut und zum Bergarbeiterheim „GlĂĽckauf“ umbenannt. Das stilvoll restaurierte Haus heisst heute wieder Preussenhof.

Der „Braunen Gesinnung“ auch deutsch-national genannt, war Zinnowitz nie ganz abgeneigt. Im Gegenteil: 1920 forderten Kurgäste und Einheimische, dass das „rein deutsche Gepräge“ zu erhalten sei. Ausländer, insbesondere Juden, waren unerwĂĽnscht. Es ging dann allerdings doch schneller und vermutlich auch in eine etwas andere Richtung als sich dies die meisten erhofft hatten. Im Zusammenhang mit der PeenemĂĽnder Raketenforschung wurde Zinnowitz ebenfalls in den militärischen Sperrbezirk einbezogen. Statt der zahlenden Badegäste mieteten sich nun die leitenden Angestellten der Anlage im Seebad ein, darunter auch Wernher von Braun. In den SanddĂĽnen wurden Funkmessstellen und im Wald Abschussrampen fĂĽr die V1-Raketen erstellt.

Nach den ersten wirren Kriegsjahren kam dann endlich die grosse Zeit fĂĽr Zinnowitz. Der Ferienort wurde zum „Ersten Seebad fĂĽr Werktätige“ erklärt. Die Enteignungswelle rollte ĂĽber Zinnowitz. Nun reisten die Kumpel aus den Uranerzbergwerken des Erzgebirges mit ihren Familien heran, um ihre ruinierte Gesundheit mit Zinnowitzer Seeluft ein wenig zu kurieren. Gigantische Bauten wurden errichtet, um die werktätigen Massen unterzubringen, zu versorgen und zu unterhalten. Dazu gehörte das Kulturhaus, die Sportanlagen, die dann als nationales Trainingszentrum fĂĽr Spitzensportler und Olympiakader genutzt wurden, wie auch das Hotel Roter Oktober, das heute modernisiert Hotel Baltic heisst.

Aktuelles zu Zinnowitz: Zinneowitz hat heute etwa 2770 Einwohner und 58 Restaurants. Auch in Zinnowitz wurde nach der Wende kräftig gebaut, umgebaut, restauriert und renoviert. Zinnowitz hat seine OstseebĂĽhne mit alljährlich stattfindenden Theatern ĂĽber die Legende der untergegangenen Stadt Vineta. Die BlechbĂĽchse, ein Theater mit ansprechendem Programm und diversen Operetten, Komödien, KinderstĂĽcken aber auch den Klassikern von Schiller oder Shakespeare. Selbstverständlich gibt es auch eine SeebrĂĽcke (315 Meter lang), welche ihren Anfang in der Strandpromenade nimmt, welche ihrerseits wiederum in diverse Einkaufsstrassen, den beliebten Flaniermeilen mĂĽndet. Auch ein Bademuseum gehört hierhin. Das Hotel Baltic hat eine Bernsteintherme, eine Badelandschaft, die den Begriff „Wellness“ in die Praxis umsetzt, erhalten. Auch das Hotel Baltic, sieht zwar äusserlich mit seiner mächtigen blau verglasten Front nicht wirtlich zierlich aus, dafĂĽr ist man als Gast in jeder Beziehung sehr gut bedient. Service, Freundlichkeit und Angebot stimmen. Kaum etwas, lässt hier die Vergangenheit durchschimmern. Das kann ich gut beurteilen, denn wir haben uns hier schliesslich eine Woche lang bedienen lassen und haben uns wohlgefĂĽhlt.

Im Verlaufe des Nachmittags hellt das Wetter (ohne Regen) wieder auf und wir geniessen diesen letzten Nachmittag an der, von einer Nordostbise gewellten, leicht schäumenden, Ostsee (10 Grad Lufttemperatur, 2 Beaufort Windstärke bei nordöstlicher Richtung wird angezeigt).

Hotel Baltic, Zinnowitz, unser Heim fĂĽr eine Woche. Oberste blaue Etage, etwa in der Mitte

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Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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