Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Rebenstöcke ohne Ende
Rebenstöcke ohne Ende

Unterwegs in der Region Extremadura

| Keine Kommentare

Monesterio, mein letzter Ort der Ăśbernachtung, liegt am Rande einer Hochebene, leicht erhöht. Das frĂĽhe Morgenessen ermöglichte auch einen frĂĽhen Start. Nach dem Karten- und Profilstudium der Strecke, kam ich zum Schluss mir heute eine etwas längere Strecke erlauben zu können. Die ersten knapp 100 Kilometer sollten eigentlich bergab gehen. Wobei da natĂĽrlich noch alle die Gegensteigungen auch noch zu nehmen waren. Aber ĂĽber lange Strecken half mit ein schwacher RĂĽckenwind. 

Bald wurde es sehr flach.

Extremadura

Extremadura

Die gestrigen GebĂĽsche und Baumgruppen verschwanden wieder. Ab und zu ein Getreidefeld, Wiesen, Ă„cker auf denen ich aber nicht erkennen konnte, was da einmal wachsen sollte. 

Auch der Stier tauchte am Horizont einmal auf.

Spanien

Spanien

Gestern Abend, während meines Nachtessens im Restaurant, liefen gleich drei Stierkämpfe hintereinander am Fernsehen ab. Wenn ich das Prinzip richtig begriffen habe, geht es in einer ersten Phase darum, den Stier zu ermĂĽden. Wild kommt er aus seiner Box, stĂĽrmt auf alles los was sich irgendwie bewegt und rot ist. Dann kommt die Phase mit dem Pferd. Da habe ich nicht wirklich begriffen was passiert. Der Stier jedenfalls nimmt das Pferd auf die Hörner und der Reiter steckt ihm schon mal eine erste Lanze in den RĂĽcken/das Genick. Das Pferd ist geschĂĽtzt mit einer Art beweglicher Panzerung und hat verbundene Augen. In der dritten Phase stecken dann, vermutlich die kĂĽnftigen Stierkämpfer, dem Stier in drei Angriffen jeweils zwei kleinere Lanzen in das Genick. In der vierten Phase nimmt der Stierkämpfer dann alleine den Kampf gegen den Stier auf. Wobei mir Kampf deutlich ĂĽbertrieben erscheint. Der sichtlich bereits stark ermĂĽdete Stier rennt immer noch auf das rote Tuch los. Das Ziel des Stierkämpfers in dieser Phase ist wohl, dem Stier möglichst nahe zu kommen, so dass er das Blut des langsam verblutenden Stieres an seiner pompös dekorierten Jacke abgestreift bekommt. Mir scheint, dass er dabei eine Art von Pflichtfiguren/Pflichttänzen erfĂĽllen muss. Irgend einmal scheint der Zeitpunkt zu kommen, bei dem der Stier realisiert, dass nicht das rote Tuch, sondern der Stierkämpfer dahinter sein Problem ist. Vermutlich ist es dieser Zeitpunkt, den der Stierkämpfer abwartet / hinauszögert, bis er dem Stier die finale Lanze ins Genick steckt. Mindestens ein Meter langes scharfes Messer, bis zum Anschlag. Sofort kommen weitere, vermutlich angehende Stierkämpfer auf das Feld, und verwirren den vermutlich innerlich verblutenden Stier wieder mit ihren roten TĂĽchern. Nach ein paar Minuten beginnt dieser zu straucheln und bleibt schlussendlich liegen. Ein weiterer Messerstich in den Kopf, ausgefĂĽhrt von einem der angehenden Stierkämpfer, dĂĽrfte dann den Stier vollends umbringen. Er wird anschliessend von hĂĽbsch dekorierten Pferden aus der Arena geschleift. 

In einem Falle anscheinend ging allerdings der finale Lanzenstich des Stierkämpfers daneben. Der Stier wollte einfach nicht straucheln und hinfallen. Der Stierkämpfer entfernte dann die eingesteckte Lanze wieder und musste nun selbst, dem immer noch angriffigen Stier das Messer in den Kopf stecken. 

Ich nehme nicht an, dass der Stier bei einem solchen Kampf eine Ăśberlebenschance hat. Gefährlich fĂĽr den Stierkämpfer dĂĽrfte es aber dennoch sein. Einiges an Mut dĂĽrfte er sicher auch aufwenden mĂĽssen. Aber dafĂĽr darf er sich ja richtig fotogen und showmässig dem TV präsentieren. Was mich etwas verwunderte war das Gewicht der Stiere. Das lag bei allen dreien unter 600 Kg. Jedem Land seine Spielereien. 

Die Fahrt geht weiter. Olivenbäume, manchmal zusammen mit Rebstöcken auf einem Feld, bis schlussendlich nur noch Rebstöcke die weite Ebene zu fĂĽllen scheinen. 

Rebenstöcke ohne Ende

Rebenstöcke ohne Ende

Nach knapp 100 KM treffe ich in Merida ein. Schon lange vorher, lassen Wegweiser zu römischen Bädern und Theatern vermuten, dass sich die Römer nicht nur in Andalusien aufgehalten hatten. Mein Mittagessen aus dem Anhänger nehme ich an einem schattigen Plätzchen in Merida ein, bevor ich etwas unfreiwillig auf eine kleine Stadtrundfahrt starte. Dabei komme ich aber an Bauten vorbei, die wahrscheinlich nur von den Römern gebaut werden konnten. 

Merida und die Römer

Merida und die Römer

Was es einmal war, kann ich nicht sagen. Rechts, verdeckt durch das GebĂĽsch könnte vielleicht eine ehemaliges Stadttor stehen. 

Bald nach Merida wird es wieder einöd und dĂĽrr. Nichts was man nach einem ersten Blick brauchen könnte. 

Unterwegs in Extremadura

Unterwegs in Extremadura

Einige der FlĂĽsse die ich ĂĽberquere sind ebenfalls ausgetrocknet, in anderen fliesst aber tatsächlich noch Wasser. Nicht schnell, sondern sehr langsam, aber immerhin in Bewegung und nicht nur seichte Wasserlachen. Ich befinde mich auf ungefähr 300 bis 400 Meter ĂĽber Meer, da kann in dieser weiten Ebene ohnehin keine grosse Strömung mehr erwartet werden. 

Die Strasse beginnt zu steigen, hinauf und ĂĽber die nächsten HĂĽgel. Endlos lange Rampen. Auf dem HĂĽgel ein Kurve und weiter geht die Steigung, wieder bis zum nächsten HĂĽgel. 

Unterwegs in Extremadura

Unterwegs in Extremadura

Das können manchmal zwei oder drei Kilometer lange Strecken sein. Schnurgerade, Gefälle zwischen zwei und drei Prozent. Kein Schatten, die Sonne brennt. Der Rückenwind hat zum Gegenwind gekehrt. So habe ich etwa 200 Höhenmeter zu überwinden. Doch ich habe auch das geschafft und finde den Weg in mein heutiges Hotel ohne besondere Probleme. Es ist ein Hostal am Via de la Plata. Einfach, familiär. Im Kühlschrank stehen nebst Wasserflaschen auch zwei grosse kühle Bier. Eines davon ist jetzt in meinem Zimmer.

Unterwegs in der Region Extremadura

Monesterio-Fuente de Cartos-Calzadilla de los Barros-Villafranca de los Barros-Almendralejo-Torremejia-Merida-Aljucen-Aldea del Cano

Relive ‚Unterwegs in der Region Extremadura‘


Weblog am 12.05.

JahrTitel
2019Unterwegs in der Region Extremadura
2018Cambrils - Barcelona
2017Die letzte Fahrt mit Kunden
2016Königsetappe mitten durch die Gewitterfront
2015Doch Sommer
2014Kurze Schauer
2012Voll daneben?!
2011Bye-Bye Zillertal
2010Wenn der Sommer in der KĂĽche stattfindet ...
2009Zu mutig
2008MerkwĂĽrdiges an der Palme
2007Durch den SĂĽden
2006ZĂĽrcher, reinigt Eure Strassen
2005Ruhetag
2004Schmetterlinge ...


 

Print Friendly, PDF & Email
Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Spanien, Extremadura,

146.7KM

1004 HM
6:44 H

Nachmittags
schoenster_Sonnenschein

Grad

schoenster_Sonnenschein

28 Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.