Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Ulrichen
Ulrichen

Chippis – Ulrichen

| 3 Kommentare

Die nĂ€chtlichen RegenfĂ€lle haben den Himmel gereinigt. Es sah alles nach einem wunderbaren Tag aus. Gute Fernsicht, frische Luft, am Anfang noch etwas kĂŒhl.

Blick auf die umliegenden Schneeberge

Blick auf die umliegenden Schneeberge

Wie erwartet fĂŒhrte die Strecke anfĂ€nglich unten durch das Rhonetal. Wege aus weichem Waldboden, helles GrĂŒn ĂŒberall, die Rhone manchmal links, manchmal rechts der Strasse. 

Fahren auf dem Waldweg

Fahren auf dem Waldweg

Die Idylle hĂ€tte perfekt sein können. Doch die Drohung des Höhenmeterprofils schwebte darĂŒber. Nach Brig, da wĂŒrde es steil werden. Richtig steil. 

Es war eine Rampe, knapp unter 10 %, gut drei Kilometer lang. Die HÀlfte der erwarteten Höhenmeter waren geschafft. Die Strasse wurde etwas flacher, bog in ein schmales Tal hinein. Aus dem Asphaltbelag wurde rutschiger Kies. Aha, ein Lawinenniedergang.

Mitten im Schneekegel einer Lawine

Mitten im Schneekegel einer Lawine

Hatte mir schon immer gewĂŒnscht, mit dem Rennrad irgend einmal zwischen hohen Schneemauern zu fahren. Lieber allerdings auf einem richtigen Pass, als auf rutschigen BergstrĂ€sschen. 

Die Strasse wurde zudem immer steiler. Ein zweiter Lawinenniedergang, der war aber bereits vollstÀndig weggerÀumt oder weggeschmolzen. Als das StrÀsschen definitiv zum Wanderweg wird, mache ich Mittagsrast. Die Höhe gemÀss dem Profil habe ich bereits erreicht.

Der dicke Brocken kommt danach. Steile Abfahrt, wieder Aufstieg. Das GPS und GoogleMap behaupten ich sei auf der Bettmeralp. Die ist aber auf der anderen Seite des Tales (!?). SpĂ€ter habe ich dann festgestellt, das war das StĂŒck zwischen Grengiols und Ausserbirn. Ich klettere ĂŒber rutschige Wege hinauf, steiler und lĂ€nger als am Genfersee in den Rebbergen. Nach jeder Kehre, meine ich, es sei fertig. Die Strasse wird nur noch steiler. Endlich kommt wieder asphaltierte Strasse unter die RĂ€der. Abfahrt ins nĂ€chste Dorf, Ernen. 

UnĂŒberschaubar

UnĂŒberschaubar

Die Tafel war unĂŒberschaubar. Aber Winter war ja schon. Ich fahre dennoch, geht ja schliesslich hinunter. Bis mir diese FussgĂ€nger entgegen kommen. Es sei kein durchkommen. Der Lawinenkegel liege dort, wo sonst eine BrĂŒcke sei, zudem sei er gespickt mit viel Holz. 

Kehre um, fahre zurĂŒck, hinauf. Bis ich den Wegweiser „HĂ€ngebrĂŒcke“ sehe. Ist ja wenigstens ein Versuch wert. Die HĂ€ngebrĂŒcke entpuppt sich als die „Gomser-Bridge“, neu gebaut, fĂŒr FussgĂ€nger. Die einzige Verbindung weit und breit auf die andere Seite des Tales. 

HĂ€ngebrĂŒcke, Gomser-Bridge

HĂ€ngebrĂŒcke, Gomser-Bridge

Ich wollte es spĂ€ter doch nicht sein lassen, und bin in Niederwald, nach der nieder gegangenen Lawine, wieder auf den Radweg gewechselt. 

Es ging weiter mit diesen unsinnigen Bögen des Weges in die HĂŒgel hinauf. Über 20 KM schlechteste Strasse. Das GPS meldete „unbefestigter Pfad“. Das Bildchen mag noch ein bisschen Idylle ausstrahlen, 

BrĂŒcken und Wege werden abenteuerlicher

BrĂŒcken und Wege werden abenteuerlicher

aber dahinter steckt knallharte Knochenarbeit. Wer sein Adventure-Bike mal austesten möchte, soll nur die Strecke von Brig nach Ulrichen fahren. Es ist alles dabei was ein HĂ€rtetest braucht. Vom weichen Waldboden, Wurzeln, gröbste Steine, steil hinauf, steil hinunter, enge Kehren, bis zu Schlaglöchern und gröbstes Kopfsteinpflaster. Er muss den AnhĂ€nger ja nicht unbedingt mitnehmen. 

Als ich der Besitzerin vom Hotel sagte, dass der Rhone-Radweg schon ein bisschen höhere Anforderungen stelle, meinte sie, „er sei in der Tat noch nicht ganz fertig“.  Anderseits habe ich beim Bahnhof Brig eine Routenempfehlung fĂŒr die Rhone-Radroute gesehen, bin aber nicht wirklich draus gekommen. Habe mich deshalb einfach an meinen Original-Track gehalten. Das hat ja schliesslich ĂŒber 800 KM funktioniert. 

Und so wurden aus den erwarteten 600, vielleicht auch 800 Höhenmetern, plötzlich deren fast 1500.

Chippis - Ulrichen

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Weblog am 24.05.

JahrTitel
2018Chippis - Ulrichen
2017Von Mauvezin nach Villefranche-de-Rouergue
2016Über die Hausberge, Teil 3
2015Erweiterte Hallwilersee Rundfahrt
2014Nordic Walking in der Gegend
2012Neue Strassen
2011Lieblich am Morgen, kÀmpferisch am Abend.
2010Wieder einmal ein Tag in Rust, Europapark
2009Richtiger Sommer-Sonntag
2008Fahrt zum Schloss Horben
2007Ein zu schöner Morgen
2006Coole Sache
2005Susten - Grimsel - Furka
20048. Etappe; Mont Ventoux


 

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Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Rennrad

94.7KM

1475 HM
5:49 H

Nachmittags
einzelne_Wolken

Grad

etwas_Wolken

19 Grad

Autor: Urs

WĂŒrde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher fĂŒr lange AusflĂŒge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein fĂŒr dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmĂ€ssig ĂŒber meine Fahrten.

3 Kommentare

  1. Hallo Urs, ich weiss fĂŒr dich gibt es einfach keine Hindernisse…🙈 Fahre, schiebe, quĂ€le weiterhin dein Rad… der Weg fĂŒhrt zum ZielđŸ’Ș👍😎

  2. Hallo Urs
    Da hast du dir eine grosse, schöne Herausforderung ausgesucht – und das nicht mit einem Mountainbike, dafĂŒr noch mit AnhĂ€nger đŸ˜±. Unglaubliche Leistung, denn ich kenne diese Strecke👍👏! Der Sommer wird wohl kaum reichen, den riesigen Lawinenkegel zu schmelzen. Bin gespannt auf deine weiteren Erlebnisse. Weiterhin gute Fahrt und lg đŸšČ☀

  3. WĂ€hrend all diesen Tagen seit Avignon wurde es langsam zu einer Art „Besessenheit“, möglichst viel vom Original-Track der Route zu fahren. Die Belohnung wartete tatsĂ€chlich ganz am Schluss auf der Furkapassstrasse. Der Blick ĂŒber Gletsch, die noch junge Rhone, die Felswand des Rhonegletschers und das alles bei schönstem und sogar warmem Wetter, stehend zwischen hohen Schneemauern. Unbezahlbar!

    So wurde der Weg, ohne dass ich das wirklich so geplant hatte, tatsÀchlich zum Ziel.

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