Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

9. Tag: Brennerpass und Inntaler Radweg

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Wie üblich, plätscherte auch diese Nacht der Regen auf den Vorplatz meines Zimmers in Trens. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass er auch noch während des Morgenessens auf das Dach des Wintergartens weiter plätscherte. Das ganze Tal, jedenfalls sicherlich bis Sterzing/Vipiteno möchte einen ganz düsteren Eindruck heute Morgen.

Das Morgenessen liess auch heute keine WĂĽnsche offen. Ein Thermoskrug mit mindestens einem halbem Liter Kaffe stand bereit. So ziemlich die ganze Palette von Brot, MĂĽesli, Flocken, Kuchen und FrĂĽchte, sowie Jus in diversen Farben und Duftnoten ebenfalls.

Ich liess mir Zeit beim Essen, denn das Wetter hätte nur besser werden können. Doch daraus wurde nichts. Irgendeinmal sass ich dann doch in voller Regenmontur auf dem Renner und möchte mich auf in Richtung Brennerpass.

Die Regenkleider sind zwar gut. Sie würden eigentlich schön lange trocken halten, wäre da nicht die eigene Ausdünstung. Auch wenn der Brenner nicht so steil ist, so können die atmungsaktiven Kleider eben doch nur einen Teil des eigenen Dampfes rauslassen. Der Rest bleibt als Kondenswasser zurück. Tropft dann manchmal an den Handgelenken als kühles Nass aus dem Ärmel. Windet es dazu noch, so kleben die Kleider als kalte Hülle an den nackten Armen. Wenigstens so lange bis man sich daran gewöhnt hat. Dann wird’s wieder wärmer.

Bei der Auffahrt auf den Brenner hat sich die Bewölkung und der Nebel einmal soweit zurückgezogen, dass ich einen Blick auf die umliegenden Hügel werfen konnte. Bündig mit der Waldgrenze lag heute auch die Schneefallgrenze. Ob das einen Sinn macht, heute über den Kühtai-Sattel zu fahren? Seine Höhe liegt über 2000 MüM?

Vom Brennerpass habe ich kein Foto. Keine Passtafel, ein Bahnhof, riesige Parkplätze, alte Häuser, geöffnete Einkaufszentren. Der ganze Verkehr von der Hauptstrasse scheint als einziges Ziel ein riesiges Parkhaus mitten im Dorf zu haben.

Es regnet, ist kalt und ich fahre einfach weiter. Hinunter nach Innsbruck. In der Hoffnung es würde dann langsam wärmer.

Ein paar Mal nimmt die Sonne den Kampf gegen Regen und Nebel auf. Kurz vor Matrei scheint es ihr zu gelingen. Die Strasse trocknet ab und ich biege von der Strasse ab, in den gedeckten Eingangsbereich eines grossen Einkaufszentrums. Eigentlich in der Absicht, mich umzuziehen.

Doch leider wird nichts daraus. Bald regnet es weiter. Ich genehmige mir ein paar kräftige Schlücke aus den Bidons und mache mich wieder auf den Weg. Matrei scheint mir übrigens ein sehr schönes, vielleicht auch altes und wiedereinmal geschichtsträchtiges Dorf zu sein. Viele zurechtemöchte Häuser, viele davon mit Bemalungen ähnlich unseren Engadiner-Häusern, viele auch blumengeschmückt. Matrei, nebst Sterzing/Vipiteno, vielleicht die beiden einzigen erwähnenswerten herausgeputzten Dörfür an der Brennerstrasse.

Plötzlich wird es weich unter meinem Vorderrad. Tatsächlich habe ich mir einen Plattfuss geholt. Glücklicherweise steht gleich nebenan ein Bushäuschen und gibt mir Schutz vor Wind und Regen während des Pneu- und Schlauchwechsels. Der Pneu scheint nämlich bei näherer Kontrolle ebenfalls hinüber zu sein. Noch selten so viele Löcher, Schnitte und steckengebliebene Glasscherben auf einem Pneu gesehen.

In Innsbruck irre ich ein bisschen umher. Den KĂĽhtai-Sattel hatte ich schon „abgeschrieben“. Aber einfach auf der Tiroler Bundesstrasse zum Ă–ztal fahren möchte ich auch nicht wirklich. Den Wegweiser, vielleicht sogar den Beginn zum Inntaler Radweg, fand ich am obersten Ende des Innsbrucker Flughafens. Auf diesem Radweg hatte ich letztes Jahr schon gute Erfahrungen gemacht, warum also nicht nochmals ausprobieren?

Die ersten paar Kilometer gehen durch den Wald, ein bisschen zick-zack hin und her. Egal. Plötzlich wechselt der Teerbelag zu einer hartgefahrenen Piste. Vielleicht fünf Kilometer. Ich konnte nicht allen Pfützen ausweichen. Renner, Anhänger und Gepäcksack sehen zur Zeit wie nach einem Velocross in einem nassen Winter aus.

Später lässt dann auch der Regen nach. Es wird trockener, ich ziehe mich um, beziehungsweise aus. Auch nach dem die Kleider einigermassen trocken sind, ist es zu kühl in kurz/kurz. Ich bin jetzt auf etwa 600 MüM. Tatsächlich bin ich heute Nachmittag der einzige Radfahrer in kurz/kurz auf dem Inntaler Radweg.

Wie man dem Profil entnehmen kann, sind die ersten 50 Kilometer wirklich ganz flach. Logischerweise geht es ein bisschen hinauf. Oft durch Wälder, oft entlang dem Inn, manchmal entlang der Autobahn, der Eisenbahn oder den Hauptstrassen. Der Weg ist sehr gut markiert. Nur einmal habe ich ihn für kurze Zeit verloren.

Der Zufall will es, dass sich etwa auf der Höhe des Kühtai-Sattels wieder einmal die Wolken etwas zurückziehen und den Blick in die Höhe freigeben. Die Schneefallgrenze ist jetzt etwas höher als am Morgen, doch ich bereue meinen Entscheid nicht, unten durchgefahren zu sein.

Kurz nach Haiming sollte ich die Abzweigung ins Ă–ztal nehmen. Auch da ein schön markierter Radweg. Doch genau im entscheidenden Moment, kommt wieder einmal eine Niederschlagszelle aus dem Tal hervor. Es ist dies der Moment, in dem mein eigener Spruch mir wieder in den Sinn kommt: falsche Tour im falschen Jahr. Ich habe keine Lust, weder morgen noch ĂĽbermorgen, einfach einen Pass oder eine Gletscherstrasse hinaufzufahren, nur um damit sagen zu können: „ich war auch dort“. So fahre ich weiter, und lasse das Ă–ztal buchstäblich links liegen.

Ungefähr um Haiming herum, auf dem Profil KM 107, wird der Inntaler Radweg plötzlich hügelig, aber auch interessanter. Ein paar Mal muss der Inn auf eigens für die Radfahrer und Fussgänger eingerichteten Brücken, überquert werden.

Zwischen Haiming und dem Pitztal geht es nochmals durch eine enge Schlucht. Der Radweg ist längst nicht mehr so flach. Steile Rampen beginnen sich zu häufen, das fehlende Mittagessen macht sich bemerkbar, die „Angst“ vor dem nächsten Regenschauer sitzt im Nacken.

In Imst verlasse ich deshalb den Radweg. Es ist ohnehin Zeit, sich langsam um eine Unterkunft zu kĂĽmmern. Im Hotel Neuner werde ich fĂĽndig. Es stehen jede Menge Mountainbikes vor der TĂĽre, das dĂĽrfte ja wohl kaum ein schlechtes Zeichen sein.

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Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Roubaix mit Anhaenger

121.2KM

860 HM
06:18 H

Nachmittag
Dauerregen

Grad

bewoelkt_mit_einzelnen_Sonnenabschnitten

Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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