Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Wie es funktioniert

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Seit ein paar Tagen habe ich meine Fahrten mit dem Renner in diesem Weblog in „fast-Echtzeit“ aufzeichnen lassen. Hier nun eine kleine Beschreibung und ein paar Ăśberlegungen zum Thema.

Idee:

Die Idee entstand während meinem „Swiss-Border-Ride 2006“, der Fahrt mit dem Renner um die Schweiz. Wenn man so alleine unterwegs ist, hat man ja alle nur erdenkliche Zeit, ĂĽber Mögliches und Unmögliches zu sinnieren. Ich stellte mir vor, wie auf meinem Weblog, während meiner Fahrt, dauernd mein Aufenthaltsort, vor allem aber der Fortschritt der Umrundung um die Schweiz, sichtbar gemacht werden könnte. Je länger ich auch nach der Rundfahrt ĂĽber die Machbarkeit studierte, begann die Technik, gepaart mit der Herausforderung einmal etwas Neues zu versuchen, zu faszinieren. Das Feuer der Realisation war gezĂĽndet.

Von allem Anfang an, stand fest, wie die Lösung auch immer aussehen sollte, sie musste jedem Besucher meines Weblogs, ohne Passwort und andere Hemmnisse, zugänglich sein, möglichst gut und lückenlos in mein Weblog passen und obendrein auch noch kostengünstig sein.

Dass ich nach dem Umsetzen dieser Idee so einer Art „Big Brother is watching you“ – Effekt ausgesetzt sein wĂĽrde, diese Bedenken kamen zu spät, um das Projekt doch noch zu stoppen.
Abklärungen zu Möglichkeiten:

Suche nach einem geeigneten Gerät:

So begann ich dann schon bald nach den Sommerferien mit ersten Abklärungen. Das Suchen bei Google zum Thema „GPS-Tracking“ und ähnlichen Begriffen, brachte schon bald eine FĂĽlle von Möglichkeiten hervor. Angefangen vom einfachen SMS-sendenden Halsband fĂĽr Grosswildtiere bis hin zu komplexen Lösungen, mit denen sich ganze Fahrzeug- oder Schiffsflotten bewirtschaften lassen. Auch im weitesten Sinne im Bereich der Personen- oder Wertgegenstände-Ăśberwachung, ob nun im positiven oder negativen Sinne, lässt sich einiges herausfinden.

Das Angebot wird dann aber deutlich kleiner, wenn Bedingungen wie Outdoor-Fähigkeit, Stromunabhängigkeit, geforderte lange Laufzeit von Akkus, automatische und regelmässige Übermittelung der eigenen Position (Rhythmus möglichst individuell einstellbar) und Providerunabhängigkeit als Rahmenbedingungen gesetzt werden.

Abklärungen bezüglich der Software:

Hier hatte ich aus der Arbeit mit der Software für dieses Weblog, der Software von Expression Engine, in der Vergangenheit bestimmte Erfahrungen im Umgang mit den Modulen und den Templates gesammelt. So sende ich zum Beispiel schon seit längerer Zeit einzelne Postings mit meinem Handy in dieses Weblog. Dennoch: die jetzt anstehende Idee, mit dem Realtime-Tracking, war neu, und ich hielt es für ratsam, nochmals tiefschürfende Abklärungen zu machen.

Natürlich hätte ich ein GPS-Positionen sendendes Gerät kaufen können, das von einem bestimmten Provider supported wird und der dann auch die ganze Softwarelösung im Angebot hat. Dort gibt es aber sehr oft (immer?) den Nachteil, dass sich die so gesammelten Daten jeweils nur auf den PC herunterladen und auswerten lassen, oder der Zugang via Internet, geschützt ist. Entsprechende Abonnements für die Leistung meistens nur ein oder zwei Jahre dauern und relativ teuer sind. Das alles kam meiner Idee des Realtime-Tracking im WorldWideWeb zu günstigen Bedingungen nicht sehr nahe.

So blieb dann noch der Weg über die EE-Software. Doch der unterliegt ebenfalls einigen Einschränkungen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, die Daten für das Login und die eigentlichen Daten in einer einzigen Meldung abzusetzen. Es müssen zwei Schritte sein: Erstens Login und anschliessend, falls Login ok ist, die Daten Übermittlung. Aus Sicherheitsgründen kann auch nicht in Frage kommen, das Loginverfahren auszuschalten oder sonst wie zu reduzieren.

Somit blieb dann eigentlich nur noch der Weg, e-Mails an eine bestimmte Adresse zu senden, der EE-Software beizubringen sich bei der e-Mail-Adresse anzumelden und nachzuschauen ob ein neue e-Mail vorhanden ist.

Der Hardware-Entscheid:

Das Angebot an Hardware hat sich mit dieser e-Mail – Anforderung weiter reduziert. Wenn dann allerdings, die selbe Hardware auch noch ein SMS, im Sinne eins Backups bei fehlender GPRS-Verbindung senden kann, bleiben neben ein paar Handhelds nur noch der gewählte Webtracker. Kann der Webtracker auch noch die Höhenmeter ĂĽbermitteln, so muss die Auswahl auf das Angebot von Touratech fallen.

Webtracker-4
Grundsätzliche Funktionsweise der gewählten Lösung:

Hardware-seitig:

Der gekaufte Webtracker-4S lässt sich, sobald er eine gĂĽltige SIM-Karte eingesetzt erhalten hat, mittels Handy programmieren. Dazu gehört in meinem Falle vor allem natĂĽrlich die e-Mail-Adresse, wohin er seine Reports senden soll, sowie bei Bedarf auch die SMS-Nummer fĂĽr die Backup-Meldung, falls kein GPRS vorhanden sein sollte. Weiter kann ihm eine User-Identifikation und ein passwortgeschĂĽtzter Zugang verpasst werden. Telefonnummern zur Auslösung eines Alarms nach drĂĽcken des Panic-Knopfes oder nachdem der „Parkknopf“ zur kontrollierten und ĂĽberwachten Ruhestellung gedrĂĽckt wurde, können nebst einigen weiteren Features ebenfalls programmiert werden.

Die Programmierungsmöglichkeiten sind sehr gut dokumentiert (sogar auf Deutsch). Jeder Programmschritt ist bestens erläutert und wird vom Webtracker sowohl im positiven, wie auch im misslungenen Fall immer quittiert.

Software-seitig:

Im Softwarepaket von Expression Engine ist unter anderem ein Modul „Moblog“ enthalten. Es kann die vorgegebenen e-Mail-Adressen nach neu eingegangenen e-Mails abfragen und mittels Vorgaben aus Templates ins Weblog ĂĽbernehmen und darstellen. Diese Fähigkeit machte ich mir zu Nutze.

Weil es sich in diesem Falle um eine sehr benutzerspezifische Anforderung handelt, baute ich im erwähnten Moblog-Modul einen zusätzlichen Analyse- und Verarbeitungsschritt ein. Der Analyseschritt interpretiert das erhaltene e-Mail, sucht darin die Koordinaten, Höhenmeter, Geschwindigkeit und den Zeitstempel. Der Verarbeitungsschritt muss dann die Koordinaten, bestehend aus Grad, Minuten und Zehntelsminuten in Grad und Zehntelsgrad umrechnen, die Zeitangabe von UTC auf unsere Sommer-/Winterzeit umrechnen, die Geschwindigkeit von Knoten auf Kilometer umrechnen und anschliessend die so erhaltenen Ergebnisse auf der MySql-Datenbank dieses Weblogs ablegen.

Ein neugeschaffenes Template liest nun die in der MySql-Datenbank abgelegten Datenrecords und stellt sie wie ersichtlich zusammen mit einer GoogleMap dar.

Erste Erfahrungen aus der Anwendung:

Nach den ersten Fahrten, immerhin schon ĂĽber 300 Kilometer, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Ein einziges mal wurde eine Position mit der Koordinate 0,0 (Südlich Nigeria, irgendwo im Ozean) gesendet. Eine einzige weitere Meldung wurde ohne Höhenmeter gesendet, dies nachdem ich meinen Renner allerdings in einer Unterführung einen Moment lang habe stehen lassen. Ein paar Mal hatte der Webtracker einen Aussetzer, so dass er sich während Minuten nicht mehr im GSM-Netz einloggen konnte. Abstellen und Wiedereinschalten haben das Problem dann gelöst. Vermutlich ist der Webtracker nicht ganz erschütterungs-resistent. Anfänglich hatte ich ihn am Lenker meines Renners montiert. Die beiden erwähnten Ausfälle sind beide Male nach dem Geholper über Tram- und Bahnschienen vorgekommen. Seit dem fährt er in der Satteltasche mit.

Laut Vertreiberangaben beträgt seine Genauigkeit < 15 Meter. Im freien Gelände liegen die Markierungen oft ziemlich genau auf der Strasse, während in der Stadt oder in engeren Tälern naturgemäss die Bandbreite bis 15 Metern ausgenutzt werden muss. Ob es einen Zusammenhang hat, dass der Webtracker, seit dem er in der Satteltasche statt am Lenker mitfährt, genauere Positionsmeldungen absetzt, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht hat ihn die Schüttlerei am Lenker tatsächlich gestört.

zur Zeit noch offene Tests:

 

  • Senden eines SMS als Alternative zum e-Mail bei fehlender GPRS-Verbindung, ist noch nicht ausgetestet.

 

 

WĂĽrdigung:

Im Hinblick darauf, dass ich plane dieses Jahr meine Fahrt von Paris ĂĽber Nizza nach Rom auch auf diese Art im Weblog darzustellen, finde ich, dass mir die Umsetzung meiner Idee des „Realtime-Tracking“ recht gut gelungen ist. Selbst jetzt, wo nur ein „Near-real-time-Tracking“ realisiert ist. Die eine oder andere Ergänzung bis zum FrĂĽhsommer könnte auch zeitlich noch drin liegen.

Die Reduktion meiner Anforderung von Realtime auf Near-Realtime dĂĽrfte nicht weiter ins Gewicht fallen. Letztendlich bringen sekĂĽndliche Meldungen dem Zuschauer auch nicht wesentlich mehr Informationen. Die aktuelle 10-Minuten-Uebermittlung halte ich fĂĽr meine BedĂĽrfnisse (und mein Tempo als Radfahrer) noch als ĂĽberschaubare Menge.

Software-mässig ist die Lösung so realisiert, dass später (schon auf Paris-Nizza-Rom?) sogar einzelne Positionen mittels dem Handy und vor allem einem Bildchen übermittelt werden können. Zum Beispiel dem Bildchen des Restaurants des Mittagessens oder des Hotels der Übernachtung.

Alles in allem: ein tolles Gadget, eine tolle Ergänzung für eine Velofahrer-Seite, bringt für den Zuschauer sicherlich ein paar zusätzliche Eindrücke von der Fahrt oder vielleicht sogar vom Velofahrer-Dasein, aber es geht auch ohne.

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Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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