Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Stelvio-Tour 2004, 1. Teil: Die Eroberung

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Am Radtag Stilfserjoch, einem Event fĂĽr die ganz wilden Radfahrer, wurde die Strecke ab Trafoi bis auf das Stilfserjoch während 6 Stunden fĂĽr den privaten Verkehr gesperrt. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen. Doch, das Stilfserjoch alleine, war uns zu wenig. So machten wir fĂĽr uns daraus eine zweitägige „Rucksäcklitour“.

Kurz nach 10 Uhr machten wir uns ab dem Rhb-Bahnhof Lavin, im Unterengadin auf die Socken, beziehungswiese auf den Rennern in Richtung Ofenpass davon. Wir, das sind Thomas (der Initiant dieser Rucksäcklitour und Leiter unserer Gruppe von Calpe nach Bern), Bettina und ihr Ehemann Francois, Martin und ich, sowie Otto, der Vater von Thomas.

Es ist ein wunderschöner Morgen. In Lavin zeigt das Thermometer ca 22 Grad an. Dies auf einer Höhe von genau 1432 MüM. Ein leichtes Lüftchen weht von irgendwoher. Also genau die richtigen Voraussetzungen für eine wunderbare Fahrt.

Entlang des Inn und durch grüne Lärchenwälder rollen wir uns gemütlich bis Zernez ein und überwinden dabei schon die ersten paar Höhenmeter.

Ab Zernez werden unsere noch frischen Beine schon das erste Mal gefordert. Wir beginnen mit dem Anstieg auf den Ofenpass. Anfänglich brennt uns noch eine ziemlich heisse Sonne auf den Nacken, doch spätestens nach Il Fuorn, und damit auch nach der kleinen Abfahrt mitten in der Passstrasse beginnt die Angst vor einem Regenguss überhand zu nehmen. Alle Seitentäler scheinen von Regenwolken verstopf zu sein. Selbst das Haupttal scheint sich mit trübem Nebel zu füllen.

Doch um 12:00 Uhr haben wir es dann doch noch trockenen Fusses über die Passhöhe geschafft. Nach einer kurzen Zwischenverpflegung und etwas wärmenden Kleidern, machen wir uns sofort an die Abfahrt durch das Münstertal. Auf den etwa 30 Kilometern nach Glurns hinunter können wir dem drohenden Regen nochmals entweichen.

Nach etwa 13:30 Uhr, und einem gefällten Bauch, machen wir uns nun bei wieder heisser Sonne auf den 32Km langen Weg auf das Stilfserjoch. Vom Kartenstudium her wissen wir, dass die Strasse bis Trafoi, also etwa die nächsten 18 Km noch einigermassen vernünftig ansteigen wird. Spätestens ab Trafoi werde mindestens ich, mich wohl kaum mehr von grüssten Ritzeln trennen können.

Kurz vor 15:00 Uhr komme ich in Trafoi an. Unsere Gruppe hat sich längst aufgelöst. Ausser Martin ist keiner mehr in Sichtweite, beziehungsweise, nicht ganz unerwarteterweise übernehme ich das Schlusslicht der Gruppe. Die Kurve Nummer 42 ist unübersehbar markiert. Ich halte an, verpflege mich, trinke, ein paar Lockerungsübungen, ein paar Worte mit Martin wechseln und weiter geht es.

Kurve 39 Irgendwie habe ich das GefĂĽhl, bereits jede Menge Höhenmeter hinter mir zu haben, bin aber froh, schon die letzte „40er-Kurve“ passiert zu haben. Irgendwann zwischen den Kurven 35 und 31 ĂĽberwältigt mich eine gewaltige Krise. Die Strasse hat hier ein paar ganz giftige Steigungen.

Kurve 31 Offizieller Verpflegungspunkt der Strecke. Den Spuren nach zu schliessen, muss hier während des ganzen Tages, wahnsinnig viel los gewesen sein. Berge von Abfall, bereits fein säuberlich verpackt, liegen zum Abtransport bereit. Aber das wichtigste: frisches Quellwasser ist noch jede Menge vorhanden.

bis Kurve 14 scheint fast eigenartigerweise kein Problem zu sein. Manchmal führt Martin, manchmal führe ich. Glücklicherweise haben sich ein paar Wolken vor die Sonne geschoben, so wird es in diesen Felswänden eigentlich ganz erträglich. Ab der Franzenshöhe, gut 2100 Höhenmeter sind überwunden, wird es aber doch langsam kühl.

Kurve 14 zweiter offizieller Verpflegungspunkt. Es ist schon ziemlich kühl geworden, und es bläst ein noch kühlerer Wind. Deshalb machen wir auch nur einen kurzen Rast. Meinen Isostar-Riegel schiebe ich ziemlich schnell die Kehle hinunter und weiter gehts. Martin legt einen fulminanten Start hin, bei dem ich nicht mehr mithalten kann.

Ca ab Kurve 8 quäle ich mich nun langsam und alleine die letzten paar Höhenmeter hinauf.

Kurve 3 und 2 folgen sich ganz rasch hintereinander

ab Kurve 1 fallen ein paar Regentropfen. Die letzten 500 Meter (es steht so auf der Strasse aufgesprayt) kommen mir wie eine kleine Ewigkeit vor. In der Zwischenzeit regnet es auch ganz richtig.

17:22 Uhr geschafft, oben. Bettina wartet schon beim letzten noch warmen Grill auf mich und geleitet mich ins Restaurant, wo die anderen Gruppenmitglieder sich schon längst wieder erholt und aufgewärmt haben.

Später noch eine Gruppenfoto mit Passtafel und eine zügige Abfahrt noch Bormio. Glücklicherweise hört der Regen bald auf, und es wird sogar wieder wärmer und trocken. Gegen 20.00 Uhr treffen wir uns zu einem gemütlichen Nachtessen in unserem Hotel Cervo. Sinnigerweise gibt es zu den obligaten Teigwaren diesmal Hirschschnitzel. Den Schluss des Tages verbringen wir noch an einem Platzkonzert im Zentrum von Bormio.

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Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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