Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Auffahrt zum Col des Champs
Auffahrt zum Col des Champs

Die Königsetappe

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Heute war also der Tag mit meinem eigentlichen Ferienziel gekommen. Eine Rundfahrt ĂĽber die drei Pässe Col de la Cayolle, Col des Champs und Col d’Allos. NatĂĽrlich ohne Anhänger. DER Ferientag dieser Reise.

In der Schlucht zum Col da la Cayolle

In der Schlucht zum Col da la Cayolle

Nach dem Morgenessen vom Buffet ging es gleich los. Ich wollte die frühen und kühlen Morgenstunden nützen. Nach Barcelonnette hinauf zum Col de la Cayolle. Der erste Teil führt durch eine schmale, jetzt noch sehr kalte Schlucht. Das Gefälle ist jetzt ohne Anhänger überhaupt kein Problem. Unter mir sprudelt ein Bach. Nach ein paar Kilometern macht die Schlucht eine Linksbiegung und ich gelange mit einem mal an die Sonne. Die Strasse führt entlang des Parc National du Mercantour. Die Strasse ist ziemlich holprig. Die vielen Felsabbrüche oder Steinschläge hinterlassen Spuren.

Doch mit der Zeit komme ich aus der Schlucht. Die Strasse ist zwar immer noch schmal, führt aber teilweise über Weidegelände, durch Lärchenwälder. Der Baumbestand reicht bis fast auf die Passhöhe, nur die letzten paar Kehren sind ausserhalb des Waldes.

Col de la Cayolle

Col de la Cayolle

Nach 29 kM Bergfahrt erreiche ich den Pass. Eine steinere Tafel mit Hinweisen zu den beiden Departements. Unter anderem auch der Hinweis, dass es bis Nizza nur noch 130 KM seien. So nahe am Mittelmeer bin ich also schon.

Die Abfahrt ist vom Feinsten. Zuerst noch etwas Geholper, doch schon bald wird aus der Strasse ein feiner Belag. Ich lass mal sausen, Spitzkehren hat es nur ganz zuoberst. In Saint Martin D’Etraunes hat die Freude ein jähes Ende. Die Abzweigung zum Col des Champs, fast hätte ich sie ĂĽbersehen hinter der Hausecke.

Col des Champs

Col des Champs

An einem Brunnen im schattenspendenden Wald steige ich kurz ab, fĂĽlle meine Bidons, vertrete die Beine etwas, bevor ich die Auffahrt auf den Col des Champs in Angriff nehme. Wiederum um die 1000 HM, verteilt auf etwa 17 KM, durchschnittlich etwas steiler als am Cayolle.

Die Ausblicke hinunter ins Tal sind manchmal phänomenal. SteinwĂĽsten wechseln ab mit Föhren- und Lärchenwälder, im unteren Teil manchmal durchsetzt mit Laubbäumen. Die Strasse ist ein Superbelag, kaum ein Schlagloch oder eine Unebenheit, weist viele Spitzkehren auf, fĂĽhrt um Felsnasen herum, wechselt oft die Richtung. Manchmal weiss ich nur noch dank des GPS und der „Nord-Angabe“ wie es wohl weitergehen könnte. Etwa auf halber Höhe mache ich Mittagspause.

Für heute waren ja Gewitter angesagt. Langsam bilden sich die Wolken dazu. Längst nicht mehr überall ist Sonne. Teilweise bläst jetzt auch ein kräftiger Wind vom Pass herunter. Den Pass kann ich aber noch bei Sonnenschein überqueren.

Ganz anders die Abfahrt vom Col des Champs. Die Strasse ist holperig, Frostbeulen, Schlaglöcher, schmal. Aber auch hier, die Ausblicke, sofern man vor lauter Konzentration auf die Strasse noch dazukommt, sind schön und abwechslungsreich. Unten, wo der Wald etwas dichter wird, ist dann natĂĽrlich fertig mit Ausblicken. Dennoch merke ich, dass sich die Bewölkung langsam bedrohlich eingeschwärzt hat. Aus einem Nebental zum Tal Allos kommt gerade ein Regenguss hervor. Es beginnt zu tropfen. Die EinmĂĽndung in die Hauptstrasse zum Allos ist etwa so, wie auf der anderen Seite in St. Martin d’Etraunes die Abzweigung. Ich komme mir vor, also wĂĽrde ich aus einem Gartentor auf die Strasse entlassen. Leider konnte ich von dieser Szene kein Foto mehr machen, da gerade der Regen einsetzte und ich mich nach einem Dach umsah.

Den Regenschutz kann ich schon bald wieder ausziehen. Die Auffahrt nach Allos ist zuerst praktisch flach. Allos ein grösseres Dorf, vielleicht eine kleine Stadt, gibt sich alle Mühe für die Touristen. Schön zurechtgemachte Anlagen, Häuser mit Blumenschmuck, ein paar alterwürdig aussehende Hotels.

Die Strasse wechselt bald wieder zu normaler „Passqualität“. Ab und zu ein Schlagloch, Frostbeulen, Einschläge von herabgestĂĽrzten Steinen. Den ersten richtigen Gewitterregen ĂĽberlebe ich unter dem Vordach einer Scheune, Zeit fĂĽr Bananen- und Biberlipause war ja auch gerade angesagt.

Etwas oberhalp Allos befindet sich La Foux d’Allos. Ein richtig aus dem Boden gestampfter Winterort. Hotels die nicht in die Bergwelt passen. Siklifte und Sessellifte ĂĽberall. Die Lärchen hat man einfach geköpft, wenn sie zu nahe an den Sessellift wuchsen. Vermutlich hat man auch Korrekturen an der Passstrasse gemacht. Baustellen ĂĽberall.

La Faux d'Allos

La Faux d’Allos

Die Strasse schlängelt sich über viele Kurven und Spitzkehren zur Passhöhe hinauf. Mal abgesehen von den negativen Erscheinungen des Wintersports, auch das ein sehr schöner Pass und eine sehr schöne Gegend.

Das Wetter kann sich nun kaum noch zurückhalten. Es beginnt zu donnern, aus den Tälern kommen auch immer wieder Niederschläge hervor. Seit dem Gewitter nach Allos hatte ich Glück. Ab und zu werde ich von ein paar Regentropfen getroffen. Auf der Passhöhe des Allos ist es aber mindetestens jetzt wieder hell.

Col d'Allos

Col d’Allos

Das Passfoto am Allos ist bald gemacht. Auch ein Ausblick in meine Fahrtrichtung hatte noch Zeit gefunden. Doch dann wird es mir zu heikel unter diesen schwarzen Wolken noch lange rumzustehen. Ich lasse laufen.

Die Passstrasse ist recht gut, teilweise auch neu gemacht. Sie führt manchmal entlang von steilen Felswänden, um Felsnasen herum, wieder über offenes Weidegelände, recht abwechslungsreich. Doch wegen der drohenden Gewitter und den immer häufigeren Regentropfen, komme ich gar nicht richtig dazu, mir die Sache gebührend anzuschauen. So lange die Strasse noch halbwegs trocken war, war ich glaubs für ein paar Automobilisten zu schnell unterwegs. Die haben mir Platz gemacht, mich vorgelassen, ist mir auch noch nie passiert.

Aber es nĂĽtzte alles nichts mehr. Kurz vor Barcelonnette, zeigte das Wetter, wer hier der Herr ist. Ich kam klatschnass im Hotel an.

Ich finde aber trotzdem, dass meine Königsetappe ein voller Genuss war. Ich verstehe jetzt auch, wenn der Col d’Allos jeden Freitag fĂĽr die Radfahrer reserviert ist. Es ist wirklich eine schöne Gegend, die Schluchten, die Nähe des Nationalparks, die verwinkelten Täler und kurvigen Passstrassen, kaum Automobilisten, nicht einmal mehr Motorradfahrer. Das ist eine Tour vom Feinsten. Mit etwas GlĂĽck kann man sogar eines der scharf pfeiffenden Murmeltiere sehen. Teilweise haben die ihre Löcher direkt neben der Passstrasse. So zum Beispiel am Col des Champs, wo mir eines direkt vor dem Rad ĂĽber die Strasse in sein Loch verschwand.

Morgen beginnt nun schon die Heimreise. Bei gutem Wetter werde ich über den Col de Vars, Montgenèvre nach Norditalien fahren. Bei schlechtem Wetter gäbe es auch eine Variante ohne Col de Vars, entlang dem Lac de Serre Poncon nach Briancon und dann weiter über den Montgenèvre. Das morgige Wetter wird mir den Entscheid abnehmen.

Barelonnette - Cayolle - Champs - Allos - Barcelonnette

Barelonnette – Cayolle – Champs – Allos – Barcelonnette

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Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Roubaix mit Anhaenger

119.55KM

3175 HM
07:51 H

Nachmittag
schoenster_Sonnenschein

Grad

gewitterhaft_teilweise_Sonne

Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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