Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Ăśber den Nebel an die Sonne

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… das war mein heutiges Ziel. Als Route hatte ich mir zurechtgelegt, von Arth-Goldau mit dem Renner nach Schwyz, dann das Muotathal, den Pragelpass und später dann von der Linthebene oder dem oberen ZĂĽrichsee-Ende wieder zurĂĽck an den Zugersee zu fahren. Doch es sollte leicht anders kommen.

Den Wecker am frühen Morgen hörte ich noch, doch der Blick aus dem Schlafzimmerfenster war ein Ablöscher. Die Nebeldecke schien undurchdringbar zu sein. So entschied ich mich für einen späteren Zug.

Vielleicht hat es sich schlussendlich doch gelohnt, die eine Stunde länger im Bett liegen zu bleiben. Als der Zug dem Zugersee entlang fuhr, lichtete sich der Nebel laufend. Sogar der Blick auf die Rigi wurde frei. In Schwyz angekommen schien die Sonne vollends und unverhüllt vom Himmel herunter.

So klickte ich erst in Schwyz und nicht wie vorgesehen in Arth-Goldau in meine Pedalen und fuhr in Richtung Muotathal davon. Doch schon im Dorfkern von Schwyz musste ich eine erste Umleitung wegen eines Marktes in Kauf nehmen, die gewonnen Höhenmeter vernichten und nach Ibach hinunterfahren. Ab dann klappte dann aber die Einfahrt ins Muotathal.

Ab und zu war die Strasse noch feucht, vermutlich die Feuchtigkeit aus den nächtlichen Nebeln. Das Tal selber präsentierte sich heute in den schönsten bunten herbstlichen Farben. Es schien genau der richtige Tag zu sein für ein paar herbstliche Bilder. Muotathal und weiter hinten Hinterthal war bald erreicht. Da begann er, der von den Velofahrern gefürchtete Pragelpass.

Auf der BrĂĽcke, gerade beim Beginn der Steigung, steht die Tafel fĂĽr die Radfahrer: „steigt 885 Meter auf 11 KM“ steht da. Ich denke noch bei mir, dass ich ihn eigentlich steiler erwartet habe. 885 HM auf 11KM gibt ja nur gerade mal 8% im Schnitt. Aber eben Durchschnitt. Kein Wort davon, dass der grössere Teil der Höhenmeter in einer wesentlich kĂĽrzeren Strecke erklettert werden muss. Dann sieht das Verhältnis schon ganz anders aus: 600 Höhenmeter auf vielleicht 5 Kilometer gibt einen Schnitt von immerhin 12% und der Anfang der Kletterpartie ist deutlich steiler als der Rest. Ich fahre nicht allzuschnell in die Steigung, ĂĽberhole ganz unten noch ein paar Mountainbiker. Auch hier ist die Strasse noch feucht. Auf der Strasse liegen ein paar zerplatschte Kuhdrecke. Ich umfahre die zwar, doch das Hinterrad dreht trotzdem durch. In der ersten Spitzkehre ist bereits Schluss. Das entgegenkommende Auto verunmöglichte ein Ausweichen auf die andere Seite und die Kehre in der Innenseite nehmen schaffe ich nicht. So marschiere ich ein paar hundert Meter, bis zur nächsten Spitzkehre hinauf.

Als es wieder etwas flacher wird steige ich nochmals auf. Die Passstrasse ist unheimlich steil. Ich glaube während meiner ganzen Savoyenrundfahrt habe ich keinen einzigen solchen Höhenmeter bewältigen müssen. Vor mir kommen zwei weitere Mountainbiker in Sichtweite. Die schaffe ich noch, halte dann aber etwas später für erste Fotos an. Die beiden überholen mich wieder. Wenig später gelingt es mir, die beiden nochmals zu überholen, diesmal allerdings für immer, beziehungsweise wenigstens bis zur Passhöhe. Etwa ab der Hälfte der Strecke, wird die Strasse spürbar flacher und gegen den Schluss dann schon fast eben. Das Gelände auf dem Pass ist irgendwie merkwürdig. Kein durchgehender Boden. Es scheint, also ob viele eingebrochene Stellen die Oberfläche bilden, oder als ob die ganze Landschaft auf einzelnen Felsblöcken steht. Es hat aber dennoch ziemlich viel Wald, wenigstens auf der Seite des Muotathales. Die Passfoto ist bald gemacht. Während der ganzen Zeit der Auffahrt auf die Passhöhe, wurde ich nicht von einem einzigen Velorennfahrer überholt. Hingegen kamen sie mir alle entgegen. Der Pass scheint ein kleines Mekka für die Radfahrer zu sein. Sind wir alles kleine und grosse Masochisten? Wir wissen zwar, oder haben schon davon gehört, dass einzelne Pässe furchtbar sind. Und dennoch wollen wir es selber immer wieder erleben.

Die kräftezehrende Auffahrt wird dann allerdings mit wunderbaren Ausblicken während der Abfahrt ins Klöntal entlohnt. Der Klöntalersee liegt heute absolut ruhig da. Man könnte die farbigen Blätter der Bäume an der Uferzone alle einzeln im Spiegelbild erkennen. Doch er strahlt auch eine furchtbare Kälte ab. Heute nach der Mittagszeit war keine Sonne auf dem See. Ich frage mich, wann der See zum letzten Mal einen Sonnenstrahl zu spüren bekam. Schon möglich, dass er mit seiner West-Östlichen Ausrichtung in dem schmalen Tal und zwischen den hohen Bergen noch bis in den nächsten Frühling auf den nächsten Sonnenstrahlen warten muss.

Nach der Abfahrt nach Netstal hinunter geht es dann durch den Rest des Glarnerlandes in die Linthebene hinaus und an den Zürichsee. Langsam beginne ich zu realisieren, dass mich der Pragelpass doch mehr Kräfte gekostet hat, als ich mir das vorerst eingestehen wollte. Auch das Mittagessen auszulassen war vermutlich keine gute Entscheidung. So plündere ich den mitgeführten Notvorrat und entschliesse mich, heute mal wieder dem Zürichsee entlang zu fahren, und in Zürich dann den Zug zu besteigen.

Schöne und herbstliche Farben habe ich auch so, entlang dem See noch sehen können.

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Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Rennrad

112.6KM

1382 HM
05:13 H

Nachmittag
schoenster_Sonnenschein

Grad

schoenster_Sonnenschein

Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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