Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Swiss Border Ride 2006; 9. Tösens nach Nenzing(A)

FĂŒr diesmal funktionierte das mit den Gewittern nicht so gut. Gestern rumpelte es zwar rundherum, regnete ein bisschen, aber heute morgen war noch alles da. Keine Sonne, nur dicke schwere Wolken. Talauf und talab, eine einzige graue Suppe. Die Abfahrt erfolgte kurz vor neun (musste vorher noch meinen Schlauch vom Hinterrad wechseln). GPS hatte auch heute irgendwie MĂŒhe mit der Schnellstrasse. WĂ€hrend es gestern nicht bemerkte, dass da Velofahrverbot drauf ist, wollte es mich heute morgen, obwohl das Verbot ausdrĂŒcklich aufgehoben war, ĂŒber alle mögliche HĂŒgel und sogar unbefestigte Strassen wieder von der Hauptstrasse weglocken. Bin dann aber doch, auf Umwegen und mit ĂŒberflĂŒssigen Höhenmetern in Landeck angekommen, sauber durchgelotst worden und prĂ€zise in das Paznauntal eingeleitet worden.

Das Paznauntal ist sehr langgezogen. Etwas ĂŒber 40 Kilometer lang. Überall wird gebaut. An der Strasse, an Tunnels, an Bachverbauungen. Es gelang mir nicht ein schönes Foto von dem eigentlich idyllischen BĂ€chlein, Trisanna, zu schiessen. Im Gegenteil: Viele Spuren lassen darauf schliessen, dass vor nicht allzulanger Zeit (vielleicht auch August 2005) hier die Naturgewalten gewĂŒtet haben.

Ich durchfahre hier offensichtlich eine Wintersportgegend. Ischgl ist ja bekannt, vielleicht auch noch GaltĂŒr. Dazwischen immer wieder kleinere Weiler mit Skivermietung und (wirkt irgendwie improvisiert), Motorenservice fĂŒr MotorrĂ€der. Auch Klettern an der Hallenwand scheint hier beliebt zu sein und selbstverstĂ€ndlich Mountainbike-Vermietungen bis zum Abwinken. Die Landschaft, die HĂ€user vielerorts eigentlich idyllisch, bis eben auf die Narben vom August 2005.

Das Profil der Strasse: ist klar bergauf gerichtet, aber immer relativ sanft, bis auf wenige „Treppenstufen“, und der letzte Teil, ab etwa 1700 Meter den ich dann doch abwechselnd mehrheitlich schieben und zwischendurch auch mal kurbeln konnte. Kurz nach GaltĂŒr beginnt die Maut-Strasse. Grösstenteils super schöner und feiner Belag, fĂŒhrt auch hier durch eine Art Seenlandschaft. Die einen eher grĂŒn (vermutlich Wasser aus dem Berg) die anderen eher weisslich / grĂŒn, vermutlich Gletscherwasser. Aber auch hier: ĂŒberall Baumaschinen wegen Kiesabbau und Steingewinnung(?).

Das Mittagessen nehme ich heute in GaltĂŒr ein. ZufĂ€llig anwesende Schweizer interessieren sich sogar fĂŒr den Swiss Border Ride. Nach Drei Uhr erreiche ich die Bielerhöhe. Ein krĂ€ftiger, kalter Wind weht ĂŒber die Passhöhe. Der Bootsverleih und der Verkauf fĂŒr Rundfahrten auf dem Stausee haben heute keine Kunden. Ein NiederlĂ€nder hat sich dennoch am Ufer königlich eingerichtet und liegt auf seinem Badetuch. Die mĂŒssen irgendwie dickere Haut haben als wir. Über den Bergen braut sich unheilvolles zusammen und ich verlasse die Passhöhe ziemlich rasch wieder auf der Silvretta-Hochalpinstrasse hinunter in das Montafon.

Diese Seite ist deutlich steiler, hat jede Menge Spitzkehren, scheint ein Eldorado fĂŒr Radfahrer zu sein. Auch von den Naturgewalten weit weniger geschĂ€digt als das Paznauntal. Landschaftlich ebenfalls sehr reizvoll, mit vielen hohen und zackigen Bergen.

Weil das Regenwetter immer mehr zu drĂŒcken beginnt, konzentriere ich mich mehr darauf, möglichst schnell von hier zu verschwinden. Vom Tal herauf blĂ€st ein warmer, trockener Gegenwind. Kurz vor Bludenz ist es dann so weit. Vom HĂŒgel herunter kommt der Regen, sichtbar in grauen Schwaden und von vorne her drĂŒckt ebenfalls eine Regenwolke ins Tal hinein. Ich mache einen kurzen Halt in irgendeinmal WĂ€ldchen, ausgangs einer Kurve der Hauptstrasse.

Ein komisches GefĂŒhl beschleicht mich, als ich all die Kreuze von verstorbenen Motorradfahrern an den BĂ€umen sehe. Scheint wohl nicht eine besonders schlaue Ecke zu sein, um sich lĂ€ngere Zeit aufzuhalten. GlĂŒcklicherweise hört der Regen bald auf und ich fahre meine „Flucht“ fort. Wieder einigermassen angetrocknet finde ich hier in Nenzing, kurz vor Feldkirch auf Anhieb eine Bleibe.


 

Details zur heutigen Fahrt
stark bewölkt Vormittag
Rennrad und Monoporter
Nachmittag wechselhaft, teilweise Regen
  130 Kilometer
63.5 KM Maximale Geschwindigkeit
1638 Höhenmeter
6:53 Fahrzeit
18.9 KM/h Durchschnitt
GPS-Aufzeichnung der Strecke GPS-Aufzeichnung der Strecke
GPS-Profil der Strecke GPS-Profil der Strecke
image Aktueller Stand der Kilometer in der Saison 2006
image Aktueller Stand der Höhenmeter in der Saison 2006
 
  FĂŒr diese Fahrt durfte ich von C.V. aus S. eine Spende fĂŒr die Aktion Kilometer gegen die Armut im Betrag von 160 CHF entgegennehmen. Danke.  
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Autor: Urs

WĂŒrde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher fĂŒr lange AusflĂŒge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein fĂŒr dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmĂ€ssig ĂŒber meine Fahrten.

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