Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

2. Teil: Alberschwende(A) – Ettal(D)

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Ich traute meinen Augen kaum, als heute Morgen eine strahlende Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf mein Bett schien. Nichts wie los. Morgenessen, Hotelrechnung bezahlen, und so weit wie nur möglich ohne Regen fahren, das war die Idee.

Alles lief wie am Schnürchen gezogen. Schon vor neun sass ich auf dem Renner in Richtung Riedbergpass. Ich wusste ja, dass dieser heute nicht nur der längste Pass sein werde, sondern zudem auch noch der, mit den heftigsten Steiungsprozenten. Die Fahrt dorthin erinnerte sehr oft an unser eigenes Voralpengebiet. Hügelig, rundherum grössere Berge, weidende Kühe, hie und da ein rauschendes Bächlein, ab und zu ein Dorf.

Dann der Aufstieg. Für die paar Wolkenfelder war ich sogar noch dankbar. Denn 16% an der prallen Sonnen dürften ja wohl kaum zum Aushalten sein. Muss aber zugeben, dass ich mit dem Anhänger, schon die eine oder andere Schiebepassage in Kauf genommen habe. Die Passhöhe selber ist nichts besonderes. Eine riesige Parkfläche, vielleicht für Skifahrer oder Wanderer, mehr aber nicht. Ich hielt mich deshalb auch nicht lange auf. Auch die Abfahrt war übrigens mit 16% markiert.

Dann ging es über ein paar schweisstreibende Bodenwellen weiter nach Sonthofen. Die Wolkendecke war mittlerweile richtig dicht. Es hätte jeden Moment zu regnen beginnen können. Ich entschloss mich deshalb hier, noch schnell ein Mittagessen in einem Gärtenrestaurant einzunehmen. Da auch die Serviertochter vermutlich den kommenden Regen befürchtete, ging alles viel schneller als sonst üblich (ich war nicht der einzige Gast auf der Terrasse).

Anschliessend ging es weiter nach Bad Hindelang, das ich mal als Ausgangspunkt für den Oberjochpass bezeichnen würde. Schön regelmässig ansteigend, mit vielen Kurven wurden die 300 Höhenmeter überwunden. So mag ich das. Das Wetter hielt sich zurück. Einzelne Tropfen, eher Nebelfiesern, fiel zwar immer wieder und auch immer öfter. Erst auf der Passhöhe selber wurde ich erst richtig nervös. Keine Passtafel, nichts. Aus dem Nebelfiesern wurden richtige Tropfen. Ich musste jetzt unbedingt wasserdicht einpacken. So nahm ich zur Erinnerung halt dann nur noch den Grenzübergang von Deutschland nach Österreich/Tirol mit.

Durch das Tannheimertal verstärkte sich der Regen immer mehr. Bei der Abfahrt nach Weissenbach am Lech und weiter nach Reutte, da war wirklich etwas los. Der Regen peitschte regelrecht über die Strasse. Mal von hinten, mal von der Seite. Ich zweifelte langsam daran, ob ich den Ammersattel noch fahren sollte oder besser doch nicht.

Nach Reutte möchte das Wetter kurz Pause. Ich nahm den recht steilen Anstieg bis zum Plansee hinauf. Damit war das Meiste der Höhenmeter auch geschafft.

Der Plansee, ein ganz langgezogener See, eingebettet zwischen viel Wald, irgendwie malerisch, selbst im Regenwetter, müsste man auch mal bei Sonnenschein betrachten können. So musste ich mich heute leider darauf konzentrieren, die grössten Pfützen auf der Strasse umfahren zu können. Bei der Fahrt dem See entlang, stiegen in mir plötzlich alte Erinnerungen an frühere Ferien auf. War da nicht dieser Ludwig, der den Linderhof erbaut hat? Hatte der nicht auch einen Zusammenhang mit dem Plansee, dem Ammerwald, dem ganzen Gebiet hier herum?

Nach vielen weiteren Kilometern durch einen anhaltenden Landregen, komme ich dann irgendeinmal zur Passhöhe. Oder wenigstens zu der Stelle, an der die Strasse nicht mehr aufwärts geht, sondern eben hinunter. Keine Passtafel, nichts, einfach ein Knick in der Strasse. Der Bach nebenan läuft jetzt nicht mehr gegen mich, sondern mit mir.

Bei der Abfahrt vom Pass dann tatsächlich der Wegweiser zum Linderhof, sogar zum Schlosshotel Linderhof. Ich fahre trotzdem weiter, mir ist jetzt nicht mehr nach Kultur, wenigstens nicht in diesen mittlerweile durchnässten Kleidern.

Ich treffe in Ettal ein. Zum ersten Mal nach dem Ammersattel geht es wieder nennenswert hinauf. Zeit abzusteigen, zudem ist es 18:00 Uhr gewesen, höchste Zeit, diese Etappe zu beenden. So lande ich im Klosterhotel „Ludwig des Bayern“. Schon wieder Ludwig?

Eine Tafel beim Eingang ins Restaurant klärt mich auf: Ludwig der Bayer hat das Kloster 1330 nach seiner Rückkehr von Italien bauen lassen. Es wurde ein Benediktiner Kloster. Klar, dass das Hotel gegenüber Klosterhotel heisst und klar auch, dass als Spezialiät Benediktiner Weissbier ausgeschenkt wird. Davon musste ich mir zum feinen Nachtessen eines (oder zwei?) genehmigen. Falls übrigens die Benediktiner immer so gut gegessen haben wie ich heute Abend, habe ich wahrscheinlich den falschen Beruf gewählt (shit happens).

Heute auf dem Rad
Vormittag
Fahrrad

Roubaix mit Anhaenger

133.8KM

1947 HM
07:46 H

Nachmittag
leicht_bewoelkt

Grad

Dauerregen

Grad

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

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