Als Aargauer unterwegs

Spass auf schmalen Reifen

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

| Keine Kommentare

Kaffee als Muntermacher, Kaffee gegen Kopfweh, Kaffee als Hilfe zur Beibehaltung des Gewichtes, Kaffee als Hilfe bei der Verarbeitung von Kohlenhydraten, Eiweissen und Fetten, Kaffee als Regulator unseres Wasserhaushaltes im Körper, Kaffee ist wichtig fĂĽr eine korrekte Muskelkontraktur und fĂĽr die Herzfunktion, Kaffee als Dopingmittel, Kaffee oder Kaffeekonsum als Kult? …

Wahrscheinlich würde man noch viele weitere Effekte des Kaffeekonsums finden können. Ich selber jedoch, bin zur Zeit daran, mein eigenes Verhalten zum Kaffeekonsum radikal umzustellen.

Bis vor kurzem, kam es mir überhaupt nicht darauf an, von wo ich den Kaffee bezog. Gegeben durch die beruflichen Umstände, waren dies meist Automaten von Selecta. Büroautomaten eben, welche 100e von Portion rauslassen können. Kaffee, Ovo, Tee, was halt so bestellt wird. Abhängig vom Automaten, abhängig von der eingefüllten Kaffeebohne, abhängig davon, was der letzte vor mir aus dem Automaten gelassen hat, mal mit weniger Schaum, mal mit mehr, oder halt mal auch mit weniger Geschmack. Hauptsache braun, etwas Milchpulver und schmeckte nicht gerade nach Abgestanden. Dies mein Kaffeeverständnis bis vor wenigen Wochen.

Da waren wir dann mal auf Besuch bei unseren Kindern. Nach dem Mittagessen die obligate Frage: „Nimmst Du auch einen Kaffee?“; „Na klar!!“ Worauf mir die Tochter ein schwarzes Kistchen, nicht unähnlich einem Notebook entgegenhielt, mit der Aufforderung: „Dann wähl mal aus“.

Ich öffnete das Kistchen. Meine Augen versuchten, sich in einer bunten Welt von 6×6 Kapseln in allen möglichen Farben zurecht zu finden. Im Deckel des Kistchens die Beschreibungen ĂĽber „die 12 Grands Crus von NESPRESSO“.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das einzige, was ich ziemlich rasch wusste: die Ecke unten rechts, die Ecke mit den „Decaffeinato“ brauche mal noch nicht weiter zu untersuchen. Da waren es noch 9 „Grands Crus“. Ich las mich durch Beschreibungen hindurch, bei denen ich manchmal nicht richtig wusste, was ich in der Geographie verpasst hatte, oder ob mir da jemand einen Streich spielt und eine Weinkarte vor die Nase hielt. Da war von angenehm, nachhaltigem Geschmack, von kräftigem Körper, von vollem Körper und exquisiter Nachhaltigkeit, von Röst- und Holznoten, von Bouquet aus feinen Holz- und Getreidenoten, und vielen weiteren Noten und Charakteren die Rede. Die Wahl viel mir echt schwer. Ich hatte mich damals dann fĂĽr einen „Roma“ entschieden, denn schliesslich waren wir zu Besuch im Tessin.

Nach einem zweiten oder dritten Besuch, und abermaliger Auswahl aus dem schwarzen Kistchen, schien ich eine neue Liebe zu entdecken. Es dauerte nicht mehr lange, und ich begann auch im Geschäft, wenigstens ab und zu, die etwas teurere Sorte Kaffee aus der Espressomaschine, jeweils aufgestellt neben dem Selecta-Automaten zu kaufen. Ich kam auf den Geschmack von Kaffee. Ich lernte, dass Kaffee nicht nur alleine ein Muntermacher ist. Kaffeetrinken, könnte auch Genuss sein.

Das schien sich in meinen glänzenden Augen abzuzeichnen, wenn mir jeweils wieder das schwarze Kistchen vor Augen gehalten wurde. Das mussten die Kinder wohl gesehen haben, denn unter dem letzten Weihnachtsbaum stand doch tatsächlich eine „Le Cube“ – Kaffeemaschine, zusammen mit einer gehörigen Anzahl Portionen aller 12 Sorten, plus zusätzlich noch der aktuellen Sorten der Saison.

Seit dem sind nun schon ein paar Ferientage, Wochenenden und Arbeitstage vergangen. Mein Kaffeekonsum hat sich im Geschäft nun ganz klar auf die teurere Sorte hin verlagert. Aber vor allem zu Hause, bin ich jetzt selber Besitzer dieses ominösen schwarzen Kistchens. Vor jedem Essen, und sei es auch nur ein ZnĂĽni oder ein Zvieri, suche ich minutiös in den Beschreibungen „der 12 Grands Crus von Nespresso“, wonach mir im Moment gerade zu Mute ist.

Die alte Kaffeemaschine, welche sonst ihren festen Platz auf dem Küchentisch hatte, steht im Keller. Es weiss keiner, ob sie die nächste Alteisenabfuhr überleben wird.

Autor: Urs

Würde mich eher als Tourenfahrer bezeichnen. Radfahren war schon in der Jugendzeit meine Leidenschaft. Doch auch dann schon eher für lange Ausflüge. Mit der Zeit gesellten sich die Fotographie dazu und teilweise beruflich bedingt auch das Interesse an IT, an Software. Damit war der Grundstein für dieses Weblog gelegt. Seit dem Jahre 2004 schreibe ich hier ziemlich regelmässig über meine Fahrten.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.